Erfahrungsbericht: NZZ Global

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ist eine der ältesten noch bestehenden europäischen Zeitungen. Sie gilt als konservativ (z. B. auch was die Rechtschreibung betrifft), wirtschaftsnah und eher rechts positioniert, sie gilt aber vor allem als eine der renommiertesten Zeitungen Europas. Mehr über ihre sehr lange Geschichte kann man online erfahren.

Für eine konservative Zeitung wie die NZZ überraschend, hat NZZ als eine der ersten Zeitungen den Mut aufgebracht, die Zeitung auch als Online-Ausgabe, die „NZZ Global“, auf dem Markt zu bringen. Für 10 Wochen und nur Fr. 39 erhalte ich also einen Online-Zugang für eine erstaunlich gut zu handhabende HTML-Flash-Website, über die man die gedruckte Ausgabe der Zeitung online lesen kann. Man kann also die wie von der NZZ gewohnt ausführlichen und wirklich informativen Artikel lesen – online und egal, wo man gerade ist.

Für jemanden wie ich, der gerne viel unterwegs und viel online ist, genau das richtige, dachte ich mir nach einem Test im Demo-Zugang. Rasch stellte ich fest, dass mir die PDF-Ausgabe besser behagt. Diese Ausgabe kann man sich downloaden und man hat dann erst noch die Möglichkeit, ein Archiv aufzubauen, falls man etwas mal nachschlagen möchte. Die PDF-Ausgabe hat auch den Vorteil, dass man die Vergrösserung situativ bequem verändern kann. Insgesamt muss ich sagen: die Online-Ausgabe ist wirklich eine super Sache. Ein Jahres-Abonnement würde mich Fr. 368.- kosten, das liegt für mich im Rahmen.

Trotzdem bin ich überrascht, dass ich das Papier vermisse. Ganz einfach deswegen, weil ich es mal eben kurz auf die Toilette mitnehmen oder es mir gemütlich auf dem Sofa machen will. Ich kann es in Öffentlichen Verkehrsmitteln lesen, ohne mir Gedanken über die Stromversorgung machen zu müssen. Aber will ich dafür wirklich Fr. 512.00 ausgeben, damit ich jeden Morgen eine gedruckte Ausgabe im Briefkasten habe (und diese Ausgabe übrigens auch online lesen kann)?

Ich weiss noch nicht. Ich bin mit dem Tages-Anzeiger aufgewachsen. Das ist eine auf den Raum Zürich ausgerichtete, eher links orientierte Zeitung, für den ich heute noch Sympathien hege. Leider muss ich feststellen, dass diese Zeitung in den letzten 10 Jahren stark an Qualität zu Gunsten des Boulevards eingebüsst hat. Das ist auch ein Grund, weshalb ich mit meiner neuen Wohnung nach einer neuen Zeitung umschaue. Diese gedruckte Zeitung würde mich Fr. 374.– pro Jahr kosten.

Meine Entscheidung steht noch aus: NZZ, NZZ Global, oder doch Tages-Anzeiger? Und was sind die Alternativen?

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NZZ, Tages-Anzeiger und Blick auf dem iPad?

Die letzte Ausgabe der Sonntagszeitung berichtet,  die NZZ-Gruppe, die Tamedia-Gruppe sowie Ringier würden über eine Plattform Zeitungen digital verkaufen wollen. Demnach seien diese drei Firmen Zeitungsverlage weltweit, die für einen eReader abonniert werden könnten. Diese Nachricht ist nicht mehr ganz taufrisch, die NZZ berichtete schon im November 2009 darüber.

Die Richtung stimmt sicher, darüber schrieb ich auch schon. Ich erwähnte in diesem Artikel auch, dass Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um sich durchzusetzen können. Wenn diese  Zeitungshäuser meinen, sie würden damit die Krise überwinden, dann haben sie sich die Sache zu einfach vorgestellt und so blauäugig sind sie sicherlich nicht. Trotzdem: den einen eReader mit Farbendarstellung zu zahlen plus das Abonnement von Fr. 500.– der NZZ will wohl niemand, nur um die Zeitung lesen zu können. Das geht auch billiger und vor allem flexibler mit dem bereits im Heim stehenden PC, Notebook oder von mir aus auch Netbook. Zudem: Sowohl Tages-Anzeiger Online wie auch NZZ Online setzten auf multimediale Inhalte, sprich: Flash. Und das will iPad ja bekanntlich unverständlicherweise nicht unterstützen, warum auch immer. Mag sein, dass Apple statt Adobes Flash lieber Microsofts Silverlight unterstützen möchte, aber das wäre wohl eher eine skurille Sache. Paradoxerweise ist zur Zeit der iPad trotzdem das einzige Gerät im Markt, dessen Durchsetzung zur Zeit vorstellbar erscheint. Aber dies wird den Verlagen nichts nützen, aber wer weiss, vielleicht setzt sich ja ein völlig anderer eReader durch, der bislang noch kaum bekannt ist. Ich bin immer noch sehr gespannt darauf, wie sich der Markt entwickelt, aber ich behaupte, dass Apple sich am Ende in dieser Sparte wohl eher nicht durchsetzen wird. Dafür sprechen meiner Meinung nach mehrere Gründe. Zum einen ist der iPad ein Design-Abklatsch von iPhone, dessen Design es schon mehere Jahre gibt und seitdem nicht mit Innovationen aufgepeppt wurde. Irgendwann geht das Product Life Cycle von iPhone wie bei allen Mobiltelefonen zu Ende und ein neues Design, neue Innovationen müssen her. Die Konkurrenz weiss das natürlich auch und schläft nicht. Zudem mehrte sich in den letzten Monaten die Kritik am iPhone, dass es nicht das ist, wofür man es ursprünglich hielt, denn das iPhone hat durchaus einige Mängel, die nicht mehr zu übersehen sind. Die Reviews der letzten Monate deuten auch darauf hin, dass die Konkurrenz eines gelernt hat: mehr Usability, mehr Spielereien und mehr Design. Vor allem Google hat das Zeug, dank ihrer Cloud-Services Apple den Rang abzulaufen.

Schwenken wir abschliessend wieder kurz zurück zum Thema – Quo vadis, Journalismus? Newspaper Death Watch hat zur Frage, Will iPad Hasten Journalism’s Decline? einen lesenswerten Artikel mit sehr aufschlussreichem Einblick auf die Konsequenzen der Verlagerung von Print auf die digitale Publikation veröffentlicht.