Netvibes vs Pagesflakes vs iGoogle (Reader)

Vor einigen Jahren noch, als ich mich für Blogs und RSS-Feeds zu interessieren begann, benutzte ich gerne das gute, alte RSSOwl, ein Open Source RSS-Reader, den ich heute noch empfehle.

Mittlerweile möchte ich Blogs hin und wieder auch unterwegs vom Handy aus abrufen können. Die Lösung dafür sind Online-Dienste, die RSS-Feeds aggregieren. Der bekannteste Vertreter dafür ist wohl Google Reader, mit dem ich zunächst begann, weil Google Reader sehr gute Kritiken erhielt und erhält.

Per Zufall stiess ich via Feedburner (gehört heute zu Google) auf die Erkenntnis, dass Netvibes heute auch Feeds aggregieren können. Netvibes und Pageflakes sind inzwischen relativ alte Websiten und beide waren mir kurz nach ihren Gründungen bekannt. Ursprünglich waren sie als reines Onlineportal gedacht. Um das Jahr 2000 herum bekämpften sich Websites damit, möglichst als Einstiegswebsite genutzt zu werden. Diesem Zug sprangen Netvibes und später auch Pageflakes auf. Diese Idee, möglichst die Einstiegswebsite zu sein, haben heute etwas an Bedeutung verloren, weil die meisten Internetuser Suchmaschinen wie Bing, Google und Yahoo nutzen.

iGoogle bzw. Google Reader

Google Reader ist sehr einfach zu bedienen und schnell. Wer ein Widget-Freak ist, kann sich bei iGoogle tausende installieren, wobei deren Qualität oft fragwürdig ist. Mit iGoogle konnte ich mich nie richtig anfreunden, nicht nur weil die Datensammelwut von Google beängstigend ist, weil die Verwaltung und das Lesen von Feeds eher umständlich ist.

Ansicht von Google Reader

Google Reader

Netvibes

Netvibes ist ein Urgestein in diesem Business und hat sich immer weiter entwickelt. Die Oberfläche ist dank AJAX-Technologie interaktiv und sehr einfach gestaltbar. Netvibes präsentiert sich übersichtlich, aber ist etwas gewöhnungsbedürftig, wenn es um das Hinzufügen von Widgets geht. Netvibes hat die wirklich schöne Eigenschaft, dass man damit Blogs sehr einfach und übersichtlich über verschiedene Tabs verteilen und lesen kann. Der französische Vertreter dieser Webanwendung wurde im Jahr 2005 gegründet.
Das Layout zum Lesen von Newsfeeds ist auf Netvibes etwas Eigen, hat aber Vorteile. Man kann für jedes Blog-Thema eine entsprechende Seite einrichten und hat damit die Blogs sehr schön übersichtlich vor sich. Es gibt auch eine Reader-View (Link dazu im Bild oben rechts mit Gelb hervorgehoben), bei der man auch so Blogs wirklich sehr übersichtlich vor sich haben kann.
Interessant bei Netvibes ist die Möglichkeit, seine Zusammenstellung von Widgets zu veröffentlichen. So kann man eine solche Sammlung anderer in eine Seite integrieren oder eine eigene Seite auslagern. Das ist nicht wirklich etwas für mich, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sowas viele Leute mögen.

Einstigsseite von Netvibes

Einstiegsseite von Netvibes

Feedreader von Netvibes

Ansicht des Feedreaders von Netvibes

Netvibes' dashboardartige Darstellung von Feeds

Weitere Darstellungsmöglichkeit für Feeds - mein Favorit

Pageflakes

War ursprünglich in Deutschland domiziliert, verlegte jedoch ihren Sitz in die USA. Ebenfalls wie Netvibes im Jahr 2005 gegründet, hat es einen sehr ähnlichen Aufbau wie Netvibes. Der vielleicht wichtigste Nachteil von Pageflakes ist die in das Portal integrierte Werbung. Die Seiten werden via Google Ad „gesponsort“ und leider nimmt diese Werbung recht viel Platz für die Seite weg. Dafür ist der Aufbau ein wenig übersichtlicher, etwas intuitiver und hat mehr Widgets (bei Pageflakes heissen sie „Flakes“) zur Verfügung als Netvibes. Wer Newsfeeds (Link dazu im Bild oben rechts mit Gelb hervorgehoben) von Blogs lesen will, ist damit gut bedient: Das Layout hält sich strikt an die klassischen Reader und ist eindeutig etwas einfacher zu bedienen als Google Reader. Ganz ähnlich wie Netvibes lassen sich auch hier Zusammenstellungen von Flakes veröffentlichen und von Anderen übernehmen.

Einstiegsseite von Pageflakes

Ansicht von Pageflakes auf der Einstiegsseite

Feedreader von Pageflakes

Feedreader von Pageflakes

Fazit

Ich hatte recht lange, um mich zwischen Netvibes und Pageflakes zu entscheiden, was für mich ungewöhnlich ist. Die Entscheidung fiel mir wirklich nicht leicht, aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich mehr als 50 verschiedene Blogs in verschiedenen Kategorieren lese und ich gerne den Überblick über die Blogs habe, habe ich mich für Netvibes entschieden. Dafür hätte mir die etwas bessere Usability von Pageflakes besser gefallen. Klar ist für mich nur, Google Reader ist in Bezug auf diesen beiden Dienste deutlich im Nachteil. Sie können mehr, sind aufgeräumter und haben mehr Erfahrung, das sieht man.

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NZZ, Tages-Anzeiger und Blick auf dem iPad?

Die letzte Ausgabe der Sonntagszeitung berichtet,  die NZZ-Gruppe, die Tamedia-Gruppe sowie Ringier würden über eine Plattform Zeitungen digital verkaufen wollen. Demnach seien diese drei Firmen Zeitungsverlage weltweit, die für einen eReader abonniert werden könnten. Diese Nachricht ist nicht mehr ganz taufrisch, die NZZ berichtete schon im November 2009 darüber.

Die Richtung stimmt sicher, darüber schrieb ich auch schon. Ich erwähnte in diesem Artikel auch, dass Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um sich durchzusetzen können. Wenn diese  Zeitungshäuser meinen, sie würden damit die Krise überwinden, dann haben sie sich die Sache zu einfach vorgestellt und so blauäugig sind sie sicherlich nicht. Trotzdem: den einen eReader mit Farbendarstellung zu zahlen plus das Abonnement von Fr. 500.– der NZZ will wohl niemand, nur um die Zeitung lesen zu können. Das geht auch billiger und vor allem flexibler mit dem bereits im Heim stehenden PC, Notebook oder von mir aus auch Netbook. Zudem: Sowohl Tages-Anzeiger Online wie auch NZZ Online setzten auf multimediale Inhalte, sprich: Flash. Und das will iPad ja bekanntlich unverständlicherweise nicht unterstützen, warum auch immer. Mag sein, dass Apple statt Adobes Flash lieber Microsofts Silverlight unterstützen möchte, aber das wäre wohl eher eine skurille Sache. Paradoxerweise ist zur Zeit der iPad trotzdem das einzige Gerät im Markt, dessen Durchsetzung zur Zeit vorstellbar erscheint. Aber dies wird den Verlagen nichts nützen, aber wer weiss, vielleicht setzt sich ja ein völlig anderer eReader durch, der bislang noch kaum bekannt ist. Ich bin immer noch sehr gespannt darauf, wie sich der Markt entwickelt, aber ich behaupte, dass Apple sich am Ende in dieser Sparte wohl eher nicht durchsetzen wird. Dafür sprechen meiner Meinung nach mehrere Gründe. Zum einen ist der iPad ein Design-Abklatsch von iPhone, dessen Design es schon mehere Jahre gibt und seitdem nicht mit Innovationen aufgepeppt wurde. Irgendwann geht das Product Life Cycle von iPhone wie bei allen Mobiltelefonen zu Ende und ein neues Design, neue Innovationen müssen her. Die Konkurrenz weiss das natürlich auch und schläft nicht. Zudem mehrte sich in den letzten Monaten die Kritik am iPhone, dass es nicht das ist, wofür man es ursprünglich hielt, denn das iPhone hat durchaus einige Mängel, die nicht mehr zu übersehen sind. Die Reviews der letzten Monate deuten auch darauf hin, dass die Konkurrenz eines gelernt hat: mehr Usability, mehr Spielereien und mehr Design. Vor allem Google hat das Zeug, dank ihrer Cloud-Services Apple den Rang abzulaufen.

Schwenken wir abschliessend wieder kurz zurück zum Thema – Quo vadis, Journalismus? Newspaper Death Watch hat zur Frage, Will iPad Hasten Journalism’s Decline? einen lesenswerten Artikel mit sehr aufschlussreichem Einblick auf die Konsequenzen der Verlagerung von Print auf die digitale Publikation veröffentlicht.

Wird 2010 das Jahr für augmented reality?

Es mehren sich Anzeichen dafür, dass im nächsten Jahr augmented reality (AR) sich auf breiter Basis durchsetzen könnte. Augmented reality ist eine noch junge Technologie, mit der man zum Beispiel mit einer in einem Mobiltelefon eingebauter Kamera Informationen zur Software im Mobiltelefon übertragen kann. Die Software wertet die Informationen, die es über die Kamera und gegebenenfalls über das GPS erhalten hat, aus und gibt dem Benutzer Informationen, die es meist aus dem Internet bezieht, wieder. Bekannte Beispiele dafür sind Software, dank denen man unkompliziert Informationen zu Immobilien abrufen kann. Nachfolgend einige Beispiele, die augmented reality schön illustrieren:

Hier ein Beispiel auf iPhone von peak.ar via Swisscom Labs:

und gleich ein weiteres Beispiel (gefunden via Swisscom Labs auf sprxmobile):

Auf meinem Handy, ein Nokia E71, befindet sich die Software Barcoo, die ich erst vor kurzem auch im Zusammenhang mit dem Artikel über QR-Code angetestet habe (gefunden via Ovi).

Eine zur Zeit äusserst aktuelle Applikation, die vor kurzem unter anderem im Tages-Anzeiger publiziert wurde, ist iStethoskope, die das Potential in medizinischen Anwendungen sehr anschaulich aufzeigt. Interessanterweise wird hier nicht die Kamera, sondern lediglich das Mikrofon benutzt. Die Diagnose selbst würde aber nicht durch das Handy gemacht, sondern durch den Arzt, insofern stimmt das Ettikett „augmented reality“ nicht ganz, aber der Ansatz ist sehr ähnlich (auch gefunden bei GIZMODO, CNET, Hersteller ist Peter Bentley).

Getwittert wurde in den letzten Tagen besonders auffällig oft über AR. Levent Bulusan machte die Twitterwelt auf  techradar aufmerksam, das verlauten liess, Adidas eine „augmented reality world“ launche (auch zu sehen bei wired.com).

Handys werden zunehmend AR-fähig. iPhone war der Vorreiter, doch nun ziehen andere nach. Android ist ein guter Kandidat dafür, denn die technische Grundlage scheint für Google relativ klar umrissen zu sein. Allenfalls ebenfalls Chancen hätte das Linux-OS von Nokia Maebo und natürlich das Windows Mobile. Das sind Voraussetzungen dafür, dass sich diese Software weiter verbreiten wird, zunächst muss es – noch – in der Öffentlichkeit besser bekannt werden. Vom Hörensagen weiss ich, dass auch schon in einigen Schweizer Nachrichtensendern im Fernsehen solche Applikationen vorgestellt worden sind. Aber für das gesellschaftliche Bewusstsein, dass man die Software einsetzen kann, braucht es mehr.

Ich bin gespannt auf das neue Jahr – und wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2010!

Quellenzusammenfassung:

Google zeigt Chromium OS und den Code – und Untertitelt gleich mit

Google hat heute Chromium OS veröffentlicht und den Code gleich mit, d.h. es ist ein Open Source Projekt. Das Konzept sieht sich sehr interessant an (vgl. Video). Google hat auch gleich in der neu veröffentlichten Untertitelungs-Funktion, die auch Untertitel übersetzen kann, ausgetobt.

Beide Neuerungen sind für mich sensationell, aber ich bin vor allem auf die allgemeine Rezeption der beiden neuen Tools gespannt. Der Untertitel im folgendem Video ist spanisch, aber klickt man unten rechts auf den Pfeil an, kann man wie im Screenshot gezeigten Menü die gewünschte Sprache auswählen!

Leider hat das nachfolgende Video (noch?) keine Untertitel, aber bei Gelegenheit werde ich versuchen, dies zu ändern.

Untertitel-Menü von Youtube

Untertitel-Menü von Youtube

Google Wave oder Web 3.0

Der Hype um Google Wave ist bereits wieder verblasst. Ja, ich habe einen Account für Google Wave und es testen können. Google Wave, daran habe ich keinen Zweifel, wird sich in der einen oder anderen Form durchsetzen, weil Google Wave für mich so etwas wie Web 3.0 repräsentiert. Neu ist, dass man nicht nur entscheiden kann, ob man am Content des Internets gleich mitmacht, sondern auch darüber, an wen den Content geht, gechattet, gebloggt oder sonstwie veröffentlicht wird und – das ist das Wichtigste – ob man das in Echtzeit zeigen will. Man kann auch weitere Applikationen dazunehmen, Schach spielen oder Abstimmungen zu machen, sind nur zwei Beispiele davon, die in Google Wave angeboten werden können. In Zukunft werden viele Applikationen dieser Art Google Wave bereichern, da bin ich mir sicher.

Natürlich ist das Wort „Web 3.0“ genauso irreführend wie die vorangehende Versionsnummer war. Es baut genauso auf Technologien auf, die im Grundsatz bereits bestehen, nur wird das entsprechend zelebriert, entsprechend ausgeübt. Mit Google Wave könnte meiner Meinung nach ein Umdenken in der Nutzung des Internets gelingen. Mir käme das sehr gelegen, denn als Hörbehinderter kann ich ein weiteres Instrument nutzen, das auf (überwiegend) schriftlichen Information basiert und für mich einfach zugänglich ist. Es ist ein für mich äusserst faszinierendes Tool und ich bin sehr gespannt, was die finale Version von Google Wave bringen wird.

Wer sich für einen Google Wave-Account interessiert, kann sich bei mir melden, ich habe noch welche zu vergeben.

Google Wave Screenshot

Google Wave Screenshot