das/die E-Mail

Wir Schweizer sind bekanntlich ein seltsames Volk. Es betrifft nicht nur den politisch-historischen „Sonderfall Schweiz„, sondern auch die Sprache. Wir haben nicht nur 4 offizielle Sprachen und etliche Dialekte, die immer und überall, selbst bei Bewerbungsgesprächen gesprochen wird. Sondern wir haben auch ein eigenes Deutsch, hochoffiziell und das wird sogar als „Schweizer Hochdeutsch“ genannt.
Jawohl, ich meine damit unter anderem das E-Mail, das ich normalerweise als zusammenhängend, also das Email schreiben würde (E-Mail mit Bindestrich lese ich heute nur noch sehr selten). Der Duden erkennt die sächliche Form dieses Nachrichtenmediums sogar an.

Jedoch beobachte ich seit etwa 4 Jahren mit Unbehagen, dass auch in der Schweiz immer häufiger die Email geschrieben wird, der Einfluss durch böse Schriften wie Zeitungen und Büchern aus dem grossen Kanton deutlich spürbar. Ich getraue mich heute fast nicht mehr, das E-Mail zu sagen oder zu schreiben, doch die Gewohnheit ist stärker. Ich bin überhaupt der Meinung, Wörter, die aus der englischen Sprache abstammen, sächlich sein sollten. Denn im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Wörtern nicht. Diese Unterscheidung in der Deutschen Sprache finde ich ohnehin doof und dann will man plötzlich sagen, E-Mail sei weiblich? Ich dachte, Frauen hätten in der Informatik nichts zu suchen*? 😉

Wer ausser mir schreibt noch heimlich das Email?

*Ich kenne Frauen, die in der Informatik sehr begabt sind, mit einigen habe ich auch Informatik studieren dürfen, die im Gegensatz zu mir das Studium auch abschlossen – das Vorurteil, Frauen seien in der Informatik unfähig, will ich damit wieder zurück in die Klischeekiste legen!

Erfahrungsbericht: NZZ Global

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ist eine der ältesten noch bestehenden europäischen Zeitungen. Sie gilt als konservativ (z. B. auch was die Rechtschreibung betrifft), wirtschaftsnah und eher rechts positioniert, sie gilt aber vor allem als eine der renommiertesten Zeitungen Europas. Mehr über ihre sehr lange Geschichte kann man online erfahren.

Für eine konservative Zeitung wie die NZZ überraschend, hat NZZ als eine der ersten Zeitungen den Mut aufgebracht, die Zeitung auch als Online-Ausgabe, die „NZZ Global“, auf dem Markt zu bringen. Für 10 Wochen und nur Fr. 39 erhalte ich also einen Online-Zugang für eine erstaunlich gut zu handhabende HTML-Flash-Website, über die man die gedruckte Ausgabe der Zeitung online lesen kann. Man kann also die wie von der NZZ gewohnt ausführlichen und wirklich informativen Artikel lesen – online und egal, wo man gerade ist.

Für jemanden wie ich, der gerne viel unterwegs und viel online ist, genau das richtige, dachte ich mir nach einem Test im Demo-Zugang. Rasch stellte ich fest, dass mir die PDF-Ausgabe besser behagt. Diese Ausgabe kann man sich downloaden und man hat dann erst noch die Möglichkeit, ein Archiv aufzubauen, falls man etwas mal nachschlagen möchte. Die PDF-Ausgabe hat auch den Vorteil, dass man die Vergrösserung situativ bequem verändern kann. Insgesamt muss ich sagen: die Online-Ausgabe ist wirklich eine super Sache. Ein Jahres-Abonnement würde mich Fr. 368.- kosten, das liegt für mich im Rahmen.

Trotzdem bin ich überrascht, dass ich das Papier vermisse. Ganz einfach deswegen, weil ich es mal eben kurz auf die Toilette mitnehmen oder es mir gemütlich auf dem Sofa machen will. Ich kann es in Öffentlichen Verkehrsmitteln lesen, ohne mir Gedanken über die Stromversorgung machen zu müssen. Aber will ich dafür wirklich Fr. 512.00 ausgeben, damit ich jeden Morgen eine gedruckte Ausgabe im Briefkasten habe (und diese Ausgabe übrigens auch online lesen kann)?

Ich weiss noch nicht. Ich bin mit dem Tages-Anzeiger aufgewachsen. Das ist eine auf den Raum Zürich ausgerichtete, eher links orientierte Zeitung, für den ich heute noch Sympathien hege. Leider muss ich feststellen, dass diese Zeitung in den letzten 10 Jahren stark an Qualität zu Gunsten des Boulevards eingebüsst hat. Das ist auch ein Grund, weshalb ich mit meiner neuen Wohnung nach einer neuen Zeitung umschaue. Diese gedruckte Zeitung würde mich Fr. 374.– pro Jahr kosten.

Meine Entscheidung steht noch aus: NZZ, NZZ Global, oder doch Tages-Anzeiger? Und was sind die Alternativen?

NZZ, Tages-Anzeiger und Blick auf dem iPad?

Die letzte Ausgabe der Sonntagszeitung berichtet,  die NZZ-Gruppe, die Tamedia-Gruppe sowie Ringier würden über eine Plattform Zeitungen digital verkaufen wollen. Demnach seien diese drei Firmen Zeitungsverlage weltweit, die für einen eReader abonniert werden könnten. Diese Nachricht ist nicht mehr ganz taufrisch, die NZZ berichtete schon im November 2009 darüber.

Die Richtung stimmt sicher, darüber schrieb ich auch schon. Ich erwähnte in diesem Artikel auch, dass Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um sich durchzusetzen können. Wenn diese  Zeitungshäuser meinen, sie würden damit die Krise überwinden, dann haben sie sich die Sache zu einfach vorgestellt und so blauäugig sind sie sicherlich nicht. Trotzdem: den einen eReader mit Farbendarstellung zu zahlen plus das Abonnement von Fr. 500.– der NZZ will wohl niemand, nur um die Zeitung lesen zu können. Das geht auch billiger und vor allem flexibler mit dem bereits im Heim stehenden PC, Notebook oder von mir aus auch Netbook. Zudem: Sowohl Tages-Anzeiger Online wie auch NZZ Online setzten auf multimediale Inhalte, sprich: Flash. Und das will iPad ja bekanntlich unverständlicherweise nicht unterstützen, warum auch immer. Mag sein, dass Apple statt Adobes Flash lieber Microsofts Silverlight unterstützen möchte, aber das wäre wohl eher eine skurille Sache. Paradoxerweise ist zur Zeit der iPad trotzdem das einzige Gerät im Markt, dessen Durchsetzung zur Zeit vorstellbar erscheint. Aber dies wird den Verlagen nichts nützen, aber wer weiss, vielleicht setzt sich ja ein völlig anderer eReader durch, der bislang noch kaum bekannt ist. Ich bin immer noch sehr gespannt darauf, wie sich der Markt entwickelt, aber ich behaupte, dass Apple sich am Ende in dieser Sparte wohl eher nicht durchsetzen wird. Dafür sprechen meiner Meinung nach mehrere Gründe. Zum einen ist der iPad ein Design-Abklatsch von iPhone, dessen Design es schon mehere Jahre gibt und seitdem nicht mit Innovationen aufgepeppt wurde. Irgendwann geht das Product Life Cycle von iPhone wie bei allen Mobiltelefonen zu Ende und ein neues Design, neue Innovationen müssen her. Die Konkurrenz weiss das natürlich auch und schläft nicht. Zudem mehrte sich in den letzten Monaten die Kritik am iPhone, dass es nicht das ist, wofür man es ursprünglich hielt, denn das iPhone hat durchaus einige Mängel, die nicht mehr zu übersehen sind. Die Reviews der letzten Monate deuten auch darauf hin, dass die Konkurrenz eines gelernt hat: mehr Usability, mehr Spielereien und mehr Design. Vor allem Google hat das Zeug, dank ihrer Cloud-Services Apple den Rang abzulaufen.

Schwenken wir abschliessend wieder kurz zurück zum Thema – Quo vadis, Journalismus? Newspaper Death Watch hat zur Frage, Will iPad Hasten Journalism’s Decline? einen lesenswerten Artikel mit sehr aufschlussreichem Einblick auf die Konsequenzen der Verlagerung von Print auf die digitale Publikation veröffentlicht.

Social Media Count

Gary Hayes hat auf seinem Blog bereits am 29. September 2009 einen flashbasierten Counter veröffentlicht, der seinen Angaben zufolge auf bereits bekannte Statistiken beruht, aber ich habe ihn erst heute gesehen. Im Grunde ist dieser Counter eine Applikation, die auf Grund dieser Statistiken die veröffentlichten Artikel im Social-Media-Bereich zählt. Hayes kündigt im selben Artikel an, diesen Counter aktuell halten zu wollen.

Dieser Counter zeigt „zeitnah“ auf, was die Videos zu Social Media Revolution bereits zeigen, aber dieser counter finde ich eine sehr eindrückliche Darstellung.

Vodpod videos no longer available.

Social Media Revolution

Die Medienwelt verändert sich nicht nur bei den Zeitungen,  sondern auch in der digitalen Welt selbst. Die Nutzung derselben ändert sich mit.

Hier stellt eyeIT zwei Videos vor, die dies eindrücklich zeigen. Die Videos sind natürlich untertitelt – ich bemühe mich, nur Videos zu posten, die untertitelt sind, denn ich bin selbst hörbehindert.

Vodpod videos no longer available.

Vodpod videos no longer available.

more about „Reflektion zur Entwicklung der Medien…„, posted with vodpod

Digitalisierung der Medien

Dass sich die Medienwelt im Umbruch befindet, haben schon längst viele Spatzen von den Häusern und ganzen Städten gepfiffen. Der Leser hat vielleicht schon einen Link mit dem verheissungsvollen Namen gesehen: newspaperdeathwatch.com. In diesem Blog kann man mitverfolgen, in welchem atemberaubendem Rhythmus Zeitungen eingehen und Journalisten entlassen werden. Ähnliches spielt sich – leider – auch in Europa ab. Aber vielen ist noch unklar, wohin der Trend sich – einmal von Buzzwords wie „Onlinezeitungen“ abgesehen – bewegen wird.

Ich behaupte: In Zukunft werden wir völlig personalisierte Zeitungen haben. Jeder Nutzer wird entscheiden können, welche Inhalte und in welchem Umfang er erhalten will. Diesen Trend erkennen wir bereits heute ein Stück weit in Blogfeeds, man kann sich auch da die Inhalte personalisieren. Ob dieser Trend am Ende in eine digitale oder in papierne Medienwelt münden wird, wird sich weisen. Ich glaube aber, dass das digitale Medium sich dann durchsetzen wird, sobald das entsprechende Gadget dazu entwickelt ist. Ansätze dafür gibt es mit ePaper, aber diese Technologie hat sich bisher nicht bewähren können, auch gibt es bislang noch praktisch keinen Markt bzw. Anwendung dafür.

Mit niiu ist das erste mir bekannte Projekt in diese Richtung entstanden. niiu ist stellt eine Plattform zur Verfügung, dank der man Inhalte aus verschiedenen Medien sich zusammenschustern – und am nächsten Morgen am Briefkasten holen kann. Man kann also bestimmte Themen wie Sport, Politik, Wirtschaft etc. von verschiedenen Zeitungen oder auch von Blogs zusammenführen und so einen Themenmix erhalten, den man sich persönlich auswählt.

Screenshot der Website niiu.de

Screenshot der Website niiu.de

Ich glaube nicht so recht an das Konzept von niiu, oder wenn, dann nur im Nischenmarkt. Zum einen gibt es wenige derart medienkompetente Leser, die ihren Geschmack so genau einschätzen können, um diesen Themenmix zusammenstellen zu können. Es haben nur wenige haben Kenntnis vom Stil anderer Zeitungen – aus dem einfachen Grund, weil sie sich nicht dafür interessieren. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Dienst gerade im professionellen Bereich erfolgreich sein könnte – das betrifft Journalisten, PR-Leute und andere Mediennahe Berufsleute, die über genau solche Kompetenzen verfügen. Leider habe ich nicht die Möglichkeit, niiu zu testen, weil ich in Zürich und damit ausserhalb des Zustellungsgebietes von niiu wohne. Mich würde zum Beispiel auch die Benutzeroberfläche auf der Webseite selbst sehr interessieren, denn ich bin mir sicher, davon wird vieles Abhängen. Wenn die Oberfläche nicht intuitiv und es sich darauf vor der eigentlichen Bestellung nicht experimentieren lässt, dann wird niiu es sehr schwer haben.  Denn erst durch die Experimente wird man sehen können, wie man sich die Zeitung aufbauen lassen will. Da werden fixfertige Lösungen nicht viel weiterhelfen, denn ich glaube nicht, dass damit eine echte Differenzierung vom restlichen Zeitungsmarkt gelingen wird.

Trotzdem glaube ich, das ist die richtige Richtung. Aber damit das Konzept des „customized newpaper“ im Massenmarkt erfolgreich wird, müssen meiner Hypothese nach folgende Probleme gelöst werden:

  • Es muss ein Gadget geben, mit dem man laufend die neusten Nachrichten via WLAN lesen kann.
  • Das Gerät muss erschwinglich sein, deutlich günstiger als die heutigen geläufigen Zeitungsabonnements.
  • Das Abonnement für die Inhalte darf den Preis der heutigen populären Zeitungen nicht überschreiten.
  • Es muss einen Akku mit hohem Ausdauer haben.
  • Die Funktionalität muss einfach gehalten, das die Elektronik robust sein.
  • Die Werbung muss Content-Targeting-Fähigkeit haben. Damit kann zum einen Werbung reduziert werden, aber der Effekt auf den Werbeberührten maximiert werden.
  • Man muss damit ins Internet gehen können, denn nur so wird die Werbung auch nützen.

Zur Zeit gebe ich Produkten wie Kindle von Amazon, eReader von Sony und anderen ähnlichen Produkten die grössten Chancen, dass sie sich auch in diesem Bereich durchsetzen können werden.

Freilich wird man viele Details klären müssen: Wie oft werden die Leser geupdatet? In welchem Ausmass gibt es investigativen Journalismus? Bleiben die bis heute wirklich praktischen Magazine als nicht täglich erscheinenden investigative Refugien zurück oder werden solche Inhalte dementsprechend auf dem eNewspaper-Gadget verkauft? Wie setzt man die Werbung um, greift man da auf Google zurück? Wird man eigenen Content verkaufen oder kauft man die von freien Journalisten oder entsprechend spezialisierten Büros ein?

Wenn sich mein Modell tatsächlich bewahrheiten sollte, dann wird sich die Medienwelt wohl radikal verändern. Ich bin mir sicher, in 5-8 Jahren werden wir wissen, ob ich recht hatte oder nicht.

Wichtigste Quellen:

Veröffentlicht unter Medien