NZZ, Tages-Anzeiger und Blick auf dem iPad?

Die letzte Ausgabe der Sonntagszeitung berichtet,  die NZZ-Gruppe, die Tamedia-Gruppe sowie Ringier würden über eine Plattform Zeitungen digital verkaufen wollen. Demnach seien diese drei Firmen Zeitungsverlage weltweit, die für einen eReader abonniert werden könnten. Diese Nachricht ist nicht mehr ganz taufrisch, die NZZ berichtete schon im November 2009 darüber.

Die Richtung stimmt sicher, darüber schrieb ich auch schon. Ich erwähnte in diesem Artikel auch, dass Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um sich durchzusetzen können. Wenn diese  Zeitungshäuser meinen, sie würden damit die Krise überwinden, dann haben sie sich die Sache zu einfach vorgestellt und so blauäugig sind sie sicherlich nicht. Trotzdem: den einen eReader mit Farbendarstellung zu zahlen plus das Abonnement von Fr. 500.– der NZZ will wohl niemand, nur um die Zeitung lesen zu können. Das geht auch billiger und vor allem flexibler mit dem bereits im Heim stehenden PC, Notebook oder von mir aus auch Netbook. Zudem: Sowohl Tages-Anzeiger Online wie auch NZZ Online setzten auf multimediale Inhalte, sprich: Flash. Und das will iPad ja bekanntlich unverständlicherweise nicht unterstützen, warum auch immer. Mag sein, dass Apple statt Adobes Flash lieber Microsofts Silverlight unterstützen möchte, aber das wäre wohl eher eine skurille Sache. Paradoxerweise ist zur Zeit der iPad trotzdem das einzige Gerät im Markt, dessen Durchsetzung zur Zeit vorstellbar erscheint. Aber dies wird den Verlagen nichts nützen, aber wer weiss, vielleicht setzt sich ja ein völlig anderer eReader durch, der bislang noch kaum bekannt ist. Ich bin immer noch sehr gespannt darauf, wie sich der Markt entwickelt, aber ich behaupte, dass Apple sich am Ende in dieser Sparte wohl eher nicht durchsetzen wird. Dafür sprechen meiner Meinung nach mehrere Gründe. Zum einen ist der iPad ein Design-Abklatsch von iPhone, dessen Design es schon mehere Jahre gibt und seitdem nicht mit Innovationen aufgepeppt wurde. Irgendwann geht das Product Life Cycle von iPhone wie bei allen Mobiltelefonen zu Ende und ein neues Design, neue Innovationen müssen her. Die Konkurrenz weiss das natürlich auch und schläft nicht. Zudem mehrte sich in den letzten Monaten die Kritik am iPhone, dass es nicht das ist, wofür man es ursprünglich hielt, denn das iPhone hat durchaus einige Mängel, die nicht mehr zu übersehen sind. Die Reviews der letzten Monate deuten auch darauf hin, dass die Konkurrenz eines gelernt hat: mehr Usability, mehr Spielereien und mehr Design. Vor allem Google hat das Zeug, dank ihrer Cloud-Services Apple den Rang abzulaufen.

Schwenken wir abschliessend wieder kurz zurück zum Thema – Quo vadis, Journalismus? Newspaper Death Watch hat zur Frage, Will iPad Hasten Journalism’s Decline? einen lesenswerten Artikel mit sehr aufschlussreichem Einblick auf die Konsequenzen der Verlagerung von Print auf die digitale Publikation veröffentlicht.

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7 Gedanken zu „NZZ, Tages-Anzeiger und Blick auf dem iPad?

  1. Typisch Apple: Marketing per Hype.
    Einer seriösen Zeitung würde ich nicht raten, auf den iPad zu setzen. Richtige Leser brauchen keine digitalen Gimmicks, sondern tiefschürfende Informationen. Schwarz auf Papier.

    • @teacher: das ist doch völliger quatsch. wenn man vor 50 jahren die menschen früher gefragt hätte, was sie sich wünschen.. dann wäre die antwort gewesen „schnellere pferde“. so ist es doch hier. wir sollen und dürfen uns nicht davor verstecken, dass sich die zukunft ändern wird. das wird sie sowieso. ob wir wollen oder nicht. insofern müssen sich medienhäuser auf produkte wie ipad einstellen. ich hab ein solches teil bereits seit über einer woche und will mit diesem gerät konsumieren. sonst würde ich es ja nicht haben wollen.

      also nochmals. es ist wie mit den pferden. wir können es uns heute schlichtweg noch nicht vorstellen, für was alles das eingesetzt wird. ich bin zwar keine 20ig mehr, aber ich lebe voll integriert in das internet. das wird noch viel extremer werden.

  2. Ich gehe auch davon aus, dass der Zeitungsmarkt zumindest massiv kleiner wird, und zwar zugunsten von Gadgets wie iPad und Konsorten. Mich überzeugt aber iPad überhaupt nicht, auch wenn es HTML5 (und damit so was wie Flash) können soll, aber die Verbreitung von HTML5 ist zur Zeit noch enorm gering.
    Ich glaube aber, dass es eine Co-Existenz geben wird. Vor allem Magazine, glaube ich, werden in Papierform überleben, weil sie einfach praktisch sind und auch ans Meer oder in die Badewanne ohne Angst mitgenommen werden können. Aber es ist klar: Das wird wahrscheinlich ein Nischenmarkt werden.

  3. absolut einverstanden. doch wenn ich mir überlege, dass ich z.B. am freitag auf einem langstreckenflug 7 magazine dabei gehabt hätte, weil ich einzelne artikel lesen wollte, weitere 3 powerpoint präsentationen welche ich einmal studieren und kommentieren wollte und noch einige sonstige unterlagen..

    das alles hatte ich nun auf dem iPad dabei und konnte 9h problemlos damit arbeiten. der akku war nachher immer noch bei 21%. einmal vor abflug synchronisiert und ich hatte mehr dabei als die meisten auf dem flugzeug.

    nur so als beispiel. der ipad ist das ultimative gadget. es geht ja auch nicht um html5 oder flash. die apps werden die zukunft sein. native apps für die wichtigsten portale. dann spielt flash und html5 keine rolle. gute webseiten verzichten schon länger auf flash oder bieten alternativen. flash ist nicht die zukunft. html5 auch nicht unbedingt. die apps werden es sein.

  4. Hmm… interessanter Bericht. Allerdings: Was kann iPad, was Nebooks nicht schon längst zu einem günstigeren Preis können?

  5. na das ist nicht schwer 🙂 es gib nichts vergleichbares:

    – gewicht
    – grösse
    – bedienbarkeit
    – akku-laufzeit
    – hd-display für movies (viele netbooks haben zu schwache power um 720p ruckelfrei darzustellen)
    – integration in apple welt (ok, das ist nur für apple-fans interessant)

    es ist das ultimative consuming-device. ich steuere hier zuhause die ganze soundanlage damit, ich kann es bei präsentationen als notizblock halten welcher mir beim powerpoint immer die nächste slide sowie meine notizen anzeigt (fremdsteuerung vom powerpoint oder keynote auf einem anderen rechner oder direkt via vga kabel angeschlossen), ich kann via citrix auf meinen bürorechner und kurz ein paar dinge anschauen und vieles mehr.. wie z.b. auch kurz irgendwelche skizzen zu machen und diese per mail weiterzuleiten. mach das mal auf nem netbook.

    ich kann das meiste auch von einem macbook aus oder einem netbook. doch eben. performance ist dort oft das problem und ipad ist einfach viel kleiner, enorm schnell und daher ultimativ praktisch.

  6. Naja, die Preise wurden erst eben bekannt. Für den Preis, den ich in der Schweiz zahle, kann ich mir schon fast ein subnotebook kaufen, das auch mehr kann und erst noch Flash darstellt.
    Komfort hin oder her, ganz ehrlich: das Touchpad ist vielleicht nicht ganz so komfortabel wie das kapazitive Touchscreen, aber es kostet auch rund 400.– weniger.

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