Opera – der verkannte Browser

Ich habe in den letzten Wochen den Browser Opera getestet. Die Idee geht teilweise auf die Anregung von Daniel zurück. Zu einem anderen Teil wollte ich länger schon den Browser wieder einmal testen. Den Browser kannte ich bereits um das Jahr 2000, als er noch Werbefinanziert war. Auch damals hatte mich der Browser fasziniert und eine Zeit lang, noch bevor Firefox existierte (erst ab 2002), war ich am liebsten mit Opera unterwegs, denn er war den damaligen Konkurrenten Netscape und Internet Explorer einiges innovativer. Später wechselte ich dann zu Firefox, nachdem Firefox das Tabbed Browsing von Opera abguckte – vor allem aber war er nicht werbefinanziert. Zudem war und ist mir Firefox wegen seines offenen Quellcodes sympathisch. Bei Firefox blieb ich also bis Weihnachten, wenn ich einmal von kurzen Affären mit den textbasierten Browsern Lynx und Links (unter Linux, Gentoo) absehe.

Ich habe mir also noch vor Weihnachten Opera als Standardbrowser eingerichtet und surfte fortan mit Opera durchs weite Web.

Widgets

Widgets sind bei Opera eine Mischung zwischen Widgets, wie man sie bei Windows Vista, Windows 7 oder natürlich von Google Widgets  kennt und dem, was man sich bei Firefox als Add-on installiert. Von der Funktionalität her sind die Applikationen eher Widgets, das heisst, man kann, so lange der Browser läuft, sich eine Applikation einrichten, die wie bei Google Widget auf dem Desktop läuft. Es gibt hunderte Wigets für Opera, aber so richtig überzeugend sind leider nur wenige. Viele davon sind nur Abklatsch von anderen, manchmal sind es Forks und schlimmer noch – eine klare Versionierung bei den Widgets scheint es nicht zu geben. Zu den beliebtesten Widgets zählen eine Wetterapplikation touchthesky und eine Aquarium-Simulation SimAquarium (vorsicht: Suchtgefahr!). Bei Firefox gibt es dem gegenüber tausende von Add-ons, auch da gibt es viele Forks und manchmal werden sie auch Shareware-artig angeboten. Diesem Durcheinander begegnet die Mozilla Stiftung, die Firefox herstellt, mit einer ziemlich übersichtlichen Suchhilfe. Diesen Punkt hat die Mozilla Fondation eindeutig besser gelöst und es gibt viel mehr (gute) Erweiterungen für Firefox.

Schlechter gelöst hingegen ist die Sicherheit von Firefox. Add-ons von Firefox sind berüchtigt dafür, dass sie ein gewisses Gefahrenpotential bergen, weil diese mehr tun können, als eigentlich im Browser erlaubt wäre. Das Risiko, dass ein Angreifer solche Addons benutzt, um den PC zu attackieren, zum Beispiel zu spionieren, ist existent. Wie hoch das Potential bei Opera bei den Widgets ist, kann ich nicht beurteilen, habe ich doch darüber bislang noch keinen kritischen Bericht lesen können, aber das heisst noch nicht, dass der Einsatz der Widgets unbedenklich wäre.

Opera Mail

Opera Mail habe ich nicht getestet, aber ich habe darüber gelesen. Opera Mail soll ein schnelles Suchverfahren haben, aber eher wenige Funktionen. Für mich kommt ein Emailclient innerhalb eines Browsers schon deswegen nicht in Frage, weil ich zur Zeit ca. 10’000 Emails in meinem Client verwalte. Da sollte ich lieber zu mutt (einem Textbasierten Emailclient) umsteigen… 😉

Opera Unite

Von Opera Unite bin ich ziemlich begeistert. Eigentlich bin ich sogar überrascht, dass es um Opera Unite nicht ein grösseres Echo gegeben hat – vielleicht liegt das daran, dass Operas Marketing eher zurückhaltend ausgeübt wurde. Das ist nicht ganz unverständlich, besteht doch mit Opera Unite die Möglichkeit, innerhalb des Browsers einen Server zu betreiben, der zum Beispiel auch als Streaming-Server benutzt werden kann. Das heisst, man kann mit dieser Funktionalität zum Beispiel Musikdateien mit Freunden teilen. In Anbetracht der politischen Athmosphäre, die zur Zeit um dieses Thema schwebt, ist es wohl keine gute Idee, diese Sache an eine zu grosse Glocke zu hängen. Andererseits ist die Möglichkeit, Dateien direkt aus dem Browser heraus teilen zu können, nicht unbedingt wünschenswert, wenn diese über das HTTP-Protokoll statt findet. Dann kann ich die Datei ebensogut via Email versenden oder über einen FTP-Server anbieten. Obwohl die Idee verblüffend einfach ist und meines Erachtens wirklich toll umgesetzt ist, scheint es, als ob der Anreiz indes nicht zu gross ist, weil einfach zu viele andere Alternativen offen stehen, die ohne Opera auskommen. Interessanter würde die Sacher bestimmt, wenn die Übertragung auch verschlüsselt funktionieren würde. Trotzdem halte ich diese Funktion für einer der Highlights von Opera, nachfolgend ein Beispiel, das die Funktion für ein Fotoalbum zeigt.

Darstellung von Websites

Opera gehört zur Zeit zu den wenigen Browser, die den so genannten Acid 3.0-Test bestehen. Der Test prüft den Browser auf verschiedene durch das World Wide Web Consortium veröffentlichte Standards. Mehr darüber erfährt man von Wikipedia.
Damit ist es grundsätzlich eine gute Idee, mit Opera ins Web zu gehen, denn gerade Microsoft hat in der Vergangenheit versucht, mit Internet-Explorer einem eigenen „HTML-Standard“ Mitbewerber ins Abseits zu drängen. Dank Firefox muss Microsoft sich mittlerweile viel stärker an die offiziellen Standards des World Wide Web Consortiums halten.

Leider ist es so, dass die Theorie der Praxis nicht ganz übereinstimmt. So hatte ich auf mehreren Webseiten Darstellungsprobleme, die zum Teil die Nutzung der Webseiten verunmöglichten. Ein Beispiel ist die Website der Schweizer Niederlassung der Kia, einem Autohersteller, die mit Opera nicht zugänglich ist. Das ist streng genommen nicht das Problem von Opera, denn diese hält sich gemäss diesem Acid3-Test an die Standards, die Website hingegen kann auch durch das Web-Consortium nicht validiert werden. Allerdings gibt es in der Praxis nur wenige Websites, die vollständig valide sind, so dass man mit Opera immer wieder auf Schwierigkeiten stösst. Grund für das häufige Darstellungsproblem in Opera ist die geringe Verbreitung des Opera-Browsers. Wäre die Nutzung weiter verbreitet, würden (mehr) Webdesigner prüfen, ob die Website auch mit Opera zugänglich ist oder nicht.

Allgemeines Handling

Das Handling von Opera ist recht angenehm. Negativ fällt vor allem die recht lange Ladezeit des Browsers aus. Firefox ist da schneller. Angenehm dagegen sind die hohe Stabilität und die Mouse Gestures, die ich schon seit Jahren in anderen Browsern vermisse. Mit der Kombination der rechten Maustaste und einer Bewegung kann man den Browser steuern, z. B. eine Seite zurück oder vorwärts gehen. Das ist sehr praktisch, aber leider nicht immer einfach zu bedienen. Man muss recht genau in der Befehlsausführung sein, sonst erhält man leicht ein anderes Resultat. Die Alternative, die ich unter Firefox gerne nutze, mit der rechten Maustaste aus dem Menü die entsprechende Auswahl für die vorherige Seite zu wählen, ist viel schneller als unter Opera.
Die Menüführung ist recht übersichtlich, aber leider oft recht eigenwillig. Man findet gewisse Einstellungsmöglichkeiten nur relativ schwer, aber dafür gibt es eine wirklich ausgezeichnete Hilfe.

Fazit

Ich habe Opera durchaus schon in den früheren Versionen gemocht und ich mag es heute noch. Aber ich werde in Zukunft bestimmt mit einem weiteren Browser surfen – das wäre der Dritte im Bunde neben Firefox und Chrome.

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14 Gedanken zu „Opera – der verkannte Browser

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  2. Erst einmal: Schöner Beitrag, guter Überblick!

    Jetzt ein paar Anmerkungen und Tipps:

    1. 2000 bist du gerade zur falschen Zeit bei Opera eingestiegen. Die Version davor war nämlich werbefrei und die danach auch wieder (Werbebanner=Flop). 😉

    2. http://www.kia.ch/ funzt bei mir problemlos mit Opera 10.10 (hoffe, du hast auch die neueste Version), Darstellungen, Navigation, einzelne Unterseiten…

    3. „Grund für das häufige Darstellungsproblem für Opera ist die geringe Verbreitung des Opera-Browsers. Wäre die Nutzung weiter verbreitet, würden (mehr) Webdesigner prüfen, ob die Website auch mit Opera zuänglich ist oder nicht.“

    „zuGänglich“! –> Das stimmt leider, da muss ich dir recht geben.

    4. „Negativ fällt vor allem die recht lange Ladezeit des Browsers aus.“ –> Schon mal Opera Turbo ausprobiert? Ansonsten kann ich dir nur sagen, dass Opera 10.5 bereits in der Mache ist, was derzeit sogar schneller als Google Chrome(!) ist: http://www.juiced.de/blog/2010/01/22/opera-boomt-19-000-downloads-pro-tag-dank-bsi/ (First hand information 😉 )

    5. Zu den Mouse Gestures: „Man muss recht genau in der Befehlsausführung sein, sonst erhält man leicht ein anderes Resultat.“ -> Mein Tipp: Lösche alle Mouse Gestures, die du nicht brauchst/nicht nutzt. Dann machst du auch nicht so oft das Falsche. Ich z.B. nutze eigentlich fast nur noch „Neues Tab“ mit runter ziehen und schließen nach rechts. Alles andere habe ich daher gelöscht und verrutsche somit nur noch sehr selten.

    Grüße Daniel

    • Danke für das Lob. Es gäbe durchaus mehr darüber zu berichten, aber ich will ja mit diesem Artikel niemanden erschlagen 😉
      Zu Deinen Kommentaren – danke übrigens, das mag ich immer:

      1: Ja, an diesen Flop kann ich mich noch dunkel erinnern. Mag vielleicht sogar sein, dass ich gerade deswegen wieder gewechselt bin. Das ist jetzt ja immerhin fast eine Dekade her.

      2: Ja, ich habe den aktuellen Browser: Version 10.10 auf WinXP. Allerdings scheint Kia nun diesen Fehler korrigiert zu haben. Trotzdem entdecke ich immer wieder Webseiten, die Opera leider nicht ganz verstehen (oder korrekterweise: Opera nicht verstehen wollen)

      3. Danke für den Tippfehlerhinweis – ist korrigiert!

      4. Hmmm… da bin ich doch sehr skeptisch. Opera hat früher schon damit geworben, dass ihr Browser der schnellste sei. Turbo kann ich irgendwie leider nicht einschalten. Aber Ursache könnte vielleicht wie im Forum beschrieben meine Antivirussoftware sein. Ich werde diesem Posting (Thread nicht von mir) mal nachgehen.

  3. Zu 4. kann ich dir versichern, dass Opera 10.5 tatsächlich deutlich schneller sein wird. Das ist sicher. Allerdings muss man natürlich gestehen, dass bis dahin auch Firefox und Google Chrome schneller geworden sein könnten. Auch die stehen schließlich nicht still. We’ll see…

    • Ja, gerade heute ist Chrome 4 erschienen. Und der ist sogar Acid3-valide. Da bin ich doch sehr gespannt.
      Übrigens danke für den Mouse-Gestures-Tipp. Ich denke, den werde ich brauchen können!

  4. Gerne bzgl. Mouse Gestures-Tipp. Und Chrome 4 schon? Wow, da steckt ja echt Geld dahinter… [ironie]Google muss es echt gut mit uns meinen, wie nett.[/ironie]

  5. Bei allem Respekt – aber Opera mit Google zu vergleichen halte ich doch schon für ein klein wenig gewagt… dazwischen liegen Welten.

  6. Dann wäre dein letzter Kommentar ja auch ironisch gemeint?! 😉

    Spaß beiseite: Wollte das lieber nochmal für andere, die das lesen könnten, klarstellen – damit es nicht zu Missverständnissen kommt.

    So, jetzt aber genug dazu.
    😉

  7. Hallo eyeIT,

    nochmal zu den Mouse Gestures: es gibt für den Firefox mehrere Gesture-AddOns, ich selbst benutze am liebsten FireGestures (https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/6366). Meiner Erfahrung nach müssen die Gesten auch nicht besonders exakt ausgeführt werden.
    Ich benutze am häufigsten die „Zurück“- und „Vor“-Gesten (L bzw. R), gefolgt von der „Neuer-Tab“-Geste (L-R), aber manchmal auch Download-Gesten.

    Wenn du also ab und zu doch mit dem Firefox surfst, versuch doch mal die FireGestures.

    Die Gesten sind mir so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich sie auch im IE ausführe, wenn ich diesen benutze. Was natürlich nicht funktioniert. Es gibt allerdings auch den IE Browser-Aufsatz Maxthon, der Gesten anbietet.
    Habe ich früher lange Zeit benutzt, aber dann wurden in einer neueren Version vor allem die Bookmarks und diverse Einstellungen nicht mehr lokal gespeichert, sondern auf irgendeinem Server. Oder so ähnlich, ist schon lange her dass ich Maxthon benutzt habe. Jedenfalls gefiel mir das überhaupt nicht, deswegen habe ich ihn nur noch selten genutzt.

    Und ich werde mir dank deines Artikels auch den Opera installieren und testen. Hatte ich früher auch schon mal benutzt, aber die Werbefinanzierung hat mich so genervt, dass ich ihn nicht mehr benutzt habe.

    Mal sehen, wie ich jetzt damit zurecht komme. 🙂

    • Hallo Martin,

      Daniel hat eigentlich alles gesagt, was gesagt werden muss. Bei mir zeichnet sich immer mehr ab, dass ich zu Opera wechseln werde. Zum Glück hat auch Opera erkannt, dass sie mehr Anreize für Widgets machen müssen.
      Ich nutze den FF nach wie vor noch gerne, aber weniger wegen seiner riiiiiesigen auswahl an Add-ons, die potentiell durchaus nicht zu unterschätzende Gefahren aufweist. Viele davon sind zwar Open Source, aber nicht alle. Und manche sind sogar Spyware. Ich kenne da zwar die Politik von Opera noch nicht im Detail, aber eines weiss ich: ich werde dank Opera nur noch eine Handvoll von Opera selbst empfohlene Widgets haben.

      Falls Du das noch liest: Wie empfindest Du den Browser heute?

  8. Hi Martin,

    ganz kurz nur eine Info: Gerade jüngst Opera 10.51 (seit gestern) hat in der Tat nichts mehr mit der werbefinanzierten Version zu tun, die ein einmaliger Ausrutscher war. Mit einem schicken Skin und nur zwei Zeilen ganz oben spart man Platz, sieht gut aus, ist am schnellsten, sichersten und mit den meisten integrierten Funktionen noch dazu. Was will man mehr?! 🙂

    Liebe Grüße Daniel

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