Kivas Antwort

Wie schon angekündigt, habe ich bei Kiva angefragt, ob man sehen kann, wie hoch der Zins ist, zu dem das Kapital, das man vergibt, durch die lokale Organisation dem Kreditnehmer vergeben wird. Die Antwort kam ca. 14 Stunden später, also recht schnell:

Hello eyeIT,

Thanks so much for your email. We cannot comment on Swiss law as we are not lawyers in Switzerland but, Kiva does not charge any interest rate to its partners and you will not receive any interest on your loan so you are therefore making a loan with a 0% interest rate since your money technically goes through Kiva and Kiva makes the loan to the MFI.
Our Field Partners, however, do charge interest to their individual borrowers and you can find the average interest rates that our Field Partners charge on our Field Partner pages: http://www.kiva.org/about/partners .

Simply click through to the partner that you’re interested in, and then navigate to the bottom of the resulting page. You will find find the average interest rate for that partner under Borrowing Cost Comparison.

Best wishes,
Lisa Kant
Customer Service Volunteer

Kiva.org
Loans That Change Lives

Nun, ich bin kein Jurist, aber ich weiss, dass es in der Schweiz ein Kreditgesetz gibt, das Wucherzinsen unter Strafe stellt. Als Wucherzins gilt, wenn dieser eine Rate von 15% übersteigt. Das ist in meinen Augen vernünftig, stellt doch die Überschuldung keine unerhebliche Gefahr dar.

Screenshot von Kiva.com, die die durchschnittliche Zinsrate zeigt

Zinsraten von Kiva

Ich habe erschrocken feststellen müssen, dass die durchschnittliche Zinsrate von über 35% bei der Kreditvergabe aller Partner von Kiva sogar mehr als das Doppelte der zulässigen Rate übersteigt. Unter diesen Umständen frage ich mich, ob man den Kreditnehmern nicht eher mehr schadet als hilft, denn die Abhängigkeit der Kreditnehmer steigt damit wesentlich und das verfügbare Kapital wird auf längere Zeit risikobehaftet gebunden. So sehr mich das Konzept fasziniert hat, so sehr bin ich nun enttäuscht. Es gibt zwar einige Projekte, bei denen die Zinsrate unter 15% liegen, aber sie werden nur im Durchschnitt angegeben. Mit anderen Worten heisst das, dass man nicht weiss, zu welchem Zins der betreffende Kreditnehmer das Geld erhält, denn ein Durchschnitt kann beides heissen: höhere und tiefere Zinsen, es ist halt der Durchschnitt.

Ich werde daher kein Geld vergeben, mich überzeugt das Ganze nicht mehr.

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3 Gedanken zu „Kivas Antwort

  1. Lieber eyeIT
    schade, dass Dich diese zahlen dazu bewogen haben, Kiva negativ zu beurteilen und kein Geld mehr auszuleihen. Ma<n kann die Situation in Entwicklungslndern nicht direkt vergleichen mit unserer Situation in der Schweiz. Da die meisten Leute ohne Sicherheiten von einer bank keine Kreidte erhalten, müssen sie sich an private "Ausleiher" wenden. Da sind aber Zinsen von 50-100% keine Seltenheit. Und die gewinne gehen an irgendeine Privatperson. Wenn das geld via Kiva und die lokale Organisation verteilt wird, sind die Zinsen tiefer und der gewinn geht an eine Organisation, die dieses Geld wieder in Aufbauprojekte investiert. Zudem sind die 35% Jahreszinsen und da die Darlehen z.T. nur über einige Monate laufen, sind diese für den Kreditnehmer häufig auch billiger.
    Die Alternative zu kiva ist leider dann auch, nichts zu geben, was die Situation der menschen, die ein Darlehen wünschen, auch nicht verbessert. Vielleicht motiviert Dich das, Dein Geld doch wieder via kiva zu investieren.
    Das würde mich freuen.
    Herzliche Grüsse
    Ueli

  2. Ich kritisiere auch gar nicht die Tatsache, dass überhaupt Zinsen vergeben werden müssen und ich hätte auch das Modell durchaus unterstützt. Im Grunde hast Du eigentlich Recht, aber man kann die Sache durchaus auch umdrehen:
    Wer ein Darlehen erhält, der hat ein Potential, das Geld eigentlich gar nicht zu brauchen müssen, weil die Zinsen sehr hoch sind. Das kennen wir in der Schweiz auch selber. Die Risiken sind ja für uns in der Schweiz mit den Zinsen genau dieselben.
    Diejenigen, die die Zinsen nicht erhalten, die sind noch schlechter dran. Und zwar nicht, weil sie das Geld nicht kriegen, sondern weil sie belegbarerweise nicht zu dem Einkommen kommen können, das sie brauchen, um überhaupt den Zins zurückzuzahlen können.
    Gerade weil der Zins so hoch ist, bedeutet das auch, dass es schwer wird, von den Krediten loszukommen können. Das kennen wir auch in der Schweiz und genau deshalb gibt es auch ein Kreditgesetz, um Schuldenfallen zu verhindern. Ob es sowas in den entsprechenden Ländern gibt, weiss ich nicht und damit ist das Risiko sehr hoch, dass wir die Kreditnehmer nur unnötig in noch grössere Schulden und damit in noch grössere Abhängikeit treiben.
    Die Tatsache, dass es Kredithaie gibt, sollte aber nicht dazu führen, dass man deswegen erst recht (wenn auch günstigere) Kredite vergeben sollte. Solche Kredite sollte man verbieten und pönalisieren, aber Schlechtes weniger Schlecht durchzuführen heisst noch nicht, dass es eine gute Sache daraus wird.

    Meine Vorstellung von echten Hilfen ist eine nachhaltige Hilfe. Die ist nur Nachhaltig, wenn die betroffenen auch selber die faire Chance haben, unabhängig und würdevoll zu bleiben. Bei solchen horrenden Zinsen ist dies nicht der Fall. Oder würdest Du freiwillig einen Kredit mit einem Zins von 35% aufnehmen?

  3. Hallo
    in vielen Ländern beträgt die jährliche Inflationsrate 10, 20, 30 oder mehr Prozent. Da sind entsprechende Zinssätze angebracht, oder nicht?
    Hinzu kommt, dass es mich nicht stört, wenn ein Teil der loans bei den lokalen Organisationen bleibt; das ist m.E. gut investiertes Geld.

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