Dass sich die Medienwelt im Umbruch befindet, haben schon längst viele Spatzen von den Häusern und ganzen Städten gepfiffen. Der Leser hat vielleicht schon einen Link mit dem verheissungsvollen Namen gesehen: newspaperdeathwatch.com. In diesem Blog kann man mitverfolgen, in welchem atemberaubendem Rhythmus Zeitungen eingehen und Journalisten entlassen werden. Ähnliches spielt sich – leider – auch in Europa ab. Aber vielen ist noch unklar, wohin der Trend sich – einmal von Buzzwords wie „Onlinezeitungen“ abgesehen – bewegen wird.

Ich behaupte: In Zukunft werden wir völlig personalisierte Zeitungen haben. Jeder Nutzer wird entscheiden können, welche Inhalte und in welchem Umfang er erhalten will. Diesen Trend erkennen wir bereits heute ein Stück weit in Blogfeeds, man kann sich auch da die Inhalte personalisieren. Ob dieser Trend am Ende in eine digitale oder in papierne Medienwelt münden wird, wird sich weisen. Ich glaube aber, dass das digitale Medium sich dann durchsetzen wird, sobald das entsprechende Gadget dazu entwickelt ist. Ansätze dafür gibt es mit ePaper, aber diese Technologie hat sich bisher nicht bewähren können, auch gibt es bislang noch praktisch keinen Markt bzw. Anwendung dafür.

Mit niiu ist das erste mir bekannte Projekt in diese Richtung entstanden. niiu ist stellt eine Plattform zur Verfügung, dank der man Inhalte aus verschiedenen Medien sich zusammenschustern – und am nächsten Morgen am Briefkasten holen kann. Man kann also bestimmte Themen wie Sport, Politik, Wirtschaft etc. von verschiedenen Zeitungen oder auch von Blogs zusammenführen und so einen Themenmix erhalten, den man sich persönlich auswählt.

Screenshot der Website niiu.de

Screenshot der Website niiu.de

Ich glaube nicht so recht an das Konzept von niiu, oder wenn, dann nur im Nischenmarkt. Zum einen gibt es wenige derart medienkompetente Leser, die ihren Geschmack so genau einschätzen können, um diesen Themenmix zusammenstellen zu können. Es haben nur wenige haben Kenntnis vom Stil anderer Zeitungen – aus dem einfachen Grund, weil sie sich nicht dafür interessieren. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Dienst gerade im professionellen Bereich erfolgreich sein könnte – das betrifft Journalisten, PR-Leute und andere Mediennahe Berufsleute, die über genau solche Kompetenzen verfügen. Leider habe ich nicht die Möglichkeit, niiu zu testen, weil ich in Zürich und damit ausserhalb des Zustellungsgebietes von niiu wohne. Mich würde zum Beispiel auch die Benutzeroberfläche auf der Webseite selbst sehr interessieren, denn ich bin mir sicher, davon wird vieles Abhängen. Wenn die Oberfläche nicht intuitiv und es sich darauf vor der eigentlichen Bestellung nicht experimentieren lässt, dann wird niiu es sehr schwer haben.  Denn erst durch die Experimente wird man sehen können, wie man sich die Zeitung aufbauen lassen will. Da werden fixfertige Lösungen nicht viel weiterhelfen, denn ich glaube nicht, dass damit eine echte Differenzierung vom restlichen Zeitungsmarkt gelingen wird.

Trotzdem glaube ich, das ist die richtige Richtung. Aber damit das Konzept des „customized newpaper“ im Massenmarkt erfolgreich wird, müssen meiner Hypothese nach folgende Probleme gelöst werden:

  • Es muss ein Gadget geben, mit dem man laufend die neusten Nachrichten via WLAN lesen kann.
  • Das Gerät muss erschwinglich sein, deutlich günstiger als die heutigen geläufigen Zeitungsabonnements.
  • Das Abonnement für die Inhalte darf den Preis der heutigen populären Zeitungen nicht überschreiten.
  • Es muss einen Akku mit hohem Ausdauer haben.
  • Die Funktionalität muss einfach gehalten, das die Elektronik robust sein.
  • Die Werbung muss Content-Targeting-Fähigkeit haben. Damit kann zum einen Werbung reduziert werden, aber der Effekt auf den Werbeberührten maximiert werden.
  • Man muss damit ins Internet gehen können, denn nur so wird die Werbung auch nützen.

Zur Zeit gebe ich Produkten wie Kindle von Amazon, eReader von Sony und anderen ähnlichen Produkten die grössten Chancen, dass sie sich auch in diesem Bereich durchsetzen können werden.

Freilich wird man viele Details klären müssen: Wie oft werden die Leser geupdatet? In welchem Ausmass gibt es investigativen Journalismus? Bleiben die bis heute wirklich praktischen Magazine als nicht täglich erscheinenden investigative Refugien zurück oder werden solche Inhalte dementsprechend auf dem eNewspaper-Gadget verkauft? Wie setzt man die Werbung um, greift man da auf Google zurück? Wird man eigenen Content verkaufen oder kauft man die von freien Journalisten oder entsprechend spezialisierten Büros ein?

Wenn sich mein Modell tatsächlich bewahrheiten sollte, dann wird sich die Medienwelt wohl radikal verändern. Ich bin mir sicher, in 5-8 Jahren werden wir wissen, ob ich recht hatte oder nicht.

Wichtigste Quellen: